Helles Rubin mit orangenem Rand. Kompakt, fest & dichte, feinverwobene Textur. Sehnige Struktur mit immenser Länge. Am Gaumen geschmeidig und voll, fühlt sich an wie schwere Seide. Beeindruckende, delikate Aromatik. Zuerst Rosenblüte & Kirsche intensiv, dann teerige Note, etwas Nusshaut & Tabak, untermalt von einem würzigen, an Wild erinnernden Unterton. Die Tannine weich und geschmeidig, die Säure fein integriert, gibt Frische. Unter der Frucht liegen die Steine. Frucht, Steine und Würze münden in einem schier endlosen Finale. Großartig
Chiavennasca (=Nebbiolo) aus der Sassella-Unterzone Nuova Regina. Bis zu 100jährige Rebstöcke mit Blick nach Süden in einer Höhe von 450 bis 550 Metern. Hier scheint es mehr Steine zu geben als Erde, hier stehen die ältesten Rebstöcke des Weinguts. Geerntet am 4. November 2013. Die Trauben entrappt, 67 Tage mazeriert und vergoren in Botte aus Eiche und Walnuss mit einem Fassungsvermögen von 5000 Litern. Danach 39 Monate ausgebaut in gleichfalls 50-Hektoliter-großen Fässern. Das Holz für diese Fässer wird mit Dampf, nicht über Feuer gebogen, was den puren Geschmack des Nebbiolo unterstützt. Auf die Flasche gezogen im Dezember 2019.
Quintessenz des Valtellina-Nebbiolo. Einfach großartig. Leider nur in kleinsten Mengen verfügbar. Es lohnt sich, ihn über mehrere Tage zu genießen, insofern er über die Tage an Komplexität spürbar zulegt.
Valtellina ist das hoch gelegene Tal der Adda und gehört - mit den Cinque Terre - sicher zu den spekakulärsten Weingebiten auf dem Stiefel. Wer Zeit und Lust hat, überquert dorthin die Rhätischen Alpen mit dem Bernina-Express. Wundervolle Blick, mit Glück seht ihr Adler durchs Panorama-Dachfenster. Sie beginnt im Kessel von Bormio und schließt ab mit der Mündung der Adda in den Comer See. Von Tirano an stehen die Reben steil auf den Hängen mit Blick nach Süde, entfernt im Hintergrund das majestätische Bernina-Massiv.
Die Weinberge von ARPEPE im Herzen des DOCG-Gebiets Valtellina Superiore erstrecken sich über 13 Hektare in den Lagen Sassella, Grumello & Inferno auf Höhen zwischen 350 und 700 Metern und kargen Böden fast ohne Humusauflage. Die Rebstöcke dort stehen - wie beispielsweise in der Lage Sassella - so steil, dass man sich die Arbeit nur schwer vorstellen kann. Unzählige, von Trockensteinmauern gehaltene Terrassen ziehen sich die Hänge hinauf. Die Lagen sind nur zu Fuß zu erreichen, alle Arbeit ist Handarbeit, das Gelände läßt einfach keinen Maschineneinsatz zu. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Isabella und ihre Brüder jährlich 1.500 Stunden und mehr für einen Hektar Weinberg aufwenden. Zumal sie auf potentielle Arbeitserleichterung wie Herbizide & Co verzichten.
Mit entscheidend für die enorm hohe Qualität der Valtellina-Weine sind die immensen Tag/Nacht-Unterschiede. Tagsüber heizt die Sonne, zumal reflektiert vom Felsgestein, die nach Süden gelegenen Weinberge massiv auf, sodass zwischen den Rebstöcken auch Kaktusfeigen gedeihen. Nachts kann es dafür auch im Juli und August ziemlich frisch werden. Dieser Temperaturspannungsbogen verleiht den Weinen ihre sehnig-nervige Art, ihre schier unglaubliche Körperspannung und ihre Tiefe.