Naturwein Gravner
von Alexander Blum

Seinen ganz eigenen Weg geht er nunmehr seit mehr als 30 Jahren. Es ist keine Attitüde, wenn er erzählt, daß es ihn nicht eilt, seine Weine zu verkaufen. Oder daß biologisch-organisch und biodynamisch erst einmal bloß Worte seien, mit denen clevere Geschäftsleute Marketing betrieben und es weniger auf diese Begriffe als auf die beständige Arbeit im Weingarten ankomme. Tatsächlich läßt er seine Weine heute bis zu 7 Jahren ausreifen, bevor er sie anderen anvertraut. Ganz ohne synthetisch-chemische Manipulation.
Ehedem stand Joško Gravner für die damals moderne Art des Weinmachens, für Fermentation im Stahl und Ausbau in Barriques von neuer Eiche. Er war der König des italienischen Weins, seine Weine waren frisch, griffig und primärfruchtig und verkauften sich in Italien und andernorts wie geschnitten Brot. Ein Ausflug ins Mekka technologischen Winemakings nach Kalifornien bescherte ihm sein Damaskuserlebnis. Angewidert von der dortigen chemiegetriebenen manipulativen Art der Weinherstellung kehrte er nach Goridzia heim und verschrieb sich fürderhin der Erkundung und dem Schutz der Pflanzen und Böden. Angeleitet vom Studium althergebrachter Weinherstellungskunst besorgte er sich die ersten Tonamphoren aus Georgien und begann mit der Erzeugung wahrer Weine, lange bevor man solche Weine als Natural Wines zu hypen begann. Natürlicher Wein ist für ihn das Natürlichste der Welt, denn "wine and food should be natural products". Das Ergebnis sind Weißweine, die in ihrer Struktur Rotweinen gleichen, dicht gewirkt, hoch aromatisch, dunkelbernsteinfarben und Tannin durchzogen und ein Rotwein der ganz besonderen Art. Sie fermentieren alle für bis zu 7 Monaten auf den Schalen in rund 600 Liter großen, in die Erde gegrabenen georgischen Tonamphoren und reifen dann bis zu 7 Jahre in gebrauchtem, großem Holz. Ungeschönt, ungefiltert und ohne chemische Additive kommen sie in die Flaschen, mit Ausnahme einer kleinen Prise Schwefels im einstelligen Grammbereich.
Gravners Weine sind atemberaubend feinstoffige, subtile Ergebnisse von Böden und Trauben, Bewußtsein, Liebe und Zeit. Ohne diese Haltung jedoch würde doch nichts wahrhaft gut. Joško Gravner ist ein Großer. Einzigartig - wie jeder seiner Weine.
Breg 2004 und 2006 - Flasche 56 Euro
Ribolla 2005 und 2006 - Flasche 56 Euro
Rosso Breg 2003 - Flasche 128 Euro